CZ Bren 2 - technische Analyse und Vergleich mit dem Vorgänger

ATM International 2016 (Czech Republic), Martin Helebrant

In ATM 7/2016 haben wir bereits informiert, dass die Gesellschaft Česká zbrojovka, a.s., Uherský Brod das neue Sturmgewehr CZ Bren 2 vorgestellt hat. Als fast die ersten außerhalb der Waffenfabrik konnten wir mit dem neuen Sturmgewehr schießen - sogar sehr intensiv. Die ersten Eindrücke waren eindeutig positiv. Seitdem gab es noch einige weiteren Gelegenheiten, die Waffe ausprobieren zu können, und die positive Meinung wurde vertieft. Über die Eindrücke im Zusammenhang mit dem Schießen haben wir ziemlich ausführlich in dem ersten Artikel geschrieben, heute konzentrieren wir uns auf die technischen Unterschiede zwischen den zwei Brens.

Beide Waffen haben gemeinsame Wurzeln. Wenn wir die zwei Brens mit derselben Lauflänge nebeneinander legen, sind beide fast genau gleich lang. Das neue BREN 2 ist jedoch anders ausgewogen. Das kann man zum ersten mal fühlen, wenn Sie das Sturmgewehr in die Hand nehmen und zum Schulter heben. Sein Gewicht ist mehr zur Mitte der Waffe konzentriert, zum Bereich der Magazinschacht. Das ursprüngliche Bren war ein bisschen "schwer nach vorne" - es hat beim Zielen und beim vollautomatischen Schießen geholfen. Das neue BREN 2 ist auch im vollautomatischen Regime immer gut beherrschbar, ist aber noch dazu mehr wendig. Die neutrale, zur Mitte ausgewogene Waffe ist auch bequemer zu tragen - der Soldat ist zwar zum Kampf geübt und soll mit seiner Waffe kämpfen, aber mit dem Tragen verbringt er viel mehr Zeit als mit dem eigentlichen Schießen.

Gasabnahme

Die beiden Brens haben einen Verschluss, der durch Entnahme der Pulvergase aus dem Lauf mittels eines Kolbenmechanismus mit kurzem Gang angetrieben wird. Der Zugriff zum Kolben ist nach dem Herausnehmen des Gasrohrs möglich. Das Gasrohr ist in dem Gasaufsatz durch den Bajonettverschluss gehalten. Beim Bren wurde das Rohr in der gesicherten Position durch einen kleinen abgefederten Bolzen gehalten. Dieser Bolzen sitzt in einer Aussparung im Rand des Stöpsels. Bren 2 verfügt zwecks Sicherung des Rohrs und zum Zwecke der Demontage über einen kleinen abgefederten doppelarmigen Hebel. Dieser Hebel wird am Gasaufsatz getragen. Zusätzlich gibt es am Rohr einen größeren Griff mit einer Öffnung, im Bedarfsfalle kann man eine Patrone oder eine passende Stange als Instrument zur Lockerung des Rohrs verwenden. Zwecks Änderung des Abnahmekanals muss man das Rohr nicht entsichern.

Die Form des Kolbens hat sich geändert. Die Stumpfform vom Bren wurde auf abgesetzte Form beim Bren 2 geändert - es funktioniert besser als das selbstregelnde Mechanismus. Nach der Übergabe des notwendigen Verschlussimpulses werden die überflüssigen Gase abgelassen. Die überflüssigen Gase werden beim Bren 2 nach vorne ausgepufft. Beim Bren zählte zum Bestandteil des Kolbenmechanismus auch ein Ausgleichgewicht. Im Falle des Brens 2 wurde dieses Mechanismus in den Träger des Gewehrverschlusses übertragen. Beim Bren 2 ist der kleine Kolben von der Stange getrennt. Die Unterschiede in der Struktur des Verschlussantriebes sind an den Fotos der demontierten Waffe ersichtlich.

Spanngriff

CZ 805 Bren hatte einen Verschlussgriff, der mit dem Träger des Gewehrverschlusses verbunden war. Dieser Griff mit Form eines zylindrischen Stiftes und einem Kugelkopf hat sich beim Schießen relativ schnell bewegt. Bei der Zerlegung war es möglich, diesen Griff aus der rechten an die linke Seite der Waffe zu verlagern - je nach dem Bedarf des Anwenders. Bren 2 verbindet den Spanngriff mit dem Träger des Gewehrverschlusses nur beim Laden der Waffe - Verschlussspannen. Der Griff hat eine ergonomische, besser passende Form und bleibt beim Schießen unbeweglich. Auch den Griff des Brens 2 kann man im Rahmen der Zerlegung an rechte oder linke Seite der Waffe übertragen. Das Ziehen des Verschlusses geschieht mittels einer Zugstange, die beim Ziehen an den Träger des Gewehrverschlusses gestützt wird. Nach Freilassung des Verschlusses nach vorne fällt der Einfang des Spanngriffes in der vorderen Endposition in den Ausschnitt im Rahmen der Waffe und somit wird die Waffe in der vorderen Position gesichert.

Magazinschacht und Abzugseinrichtung

Die beiden Waffen haben einen Schlag- und Abzugsmechanismus, konzipiert als ein abnehmbares Komplex. Beim ursprünglichen Bren war der Magazinschacht abnehmbar, aufgeschoben auf dem vorderen Teil des Abzuges. Es gibt zwei Varianten der Patronenzuführung- entweder durch das fabrikeigene CZ-Magazin aus einem durchsichtigen Kunststoff, oder durch das Standardmagazin NATO. Beide werden in die Waffe eingeschoben. Zu jedem Magazin gibt es einen entsprechenden Magazinschacht. Das Magazin wird durch das Betätigen der größeren Taste des Magazineingangs an der linken Seite des Magazinschachtes oder durch Betätigung einer kleineren Taste an der rechten Seite des Magazinschachtes herausgenommen.

Beim Bren 2 ist der Magazinschacht fest mit der Abzugseinrichtung in einem Komplex verbunden. Für das Kaliber 5,56 x 45 werden beim Bren 2 die Standardmagazine NATO verwendet. Der Raum im Magazinschacht wird durch die Polymereinlage gegeben. Nach dem Herausnehmen dieser Einlage entsteht im Schacht ein Raum, der bei der Verwendung des Kalibers 7,62 x 39 die Verwendung der angepassten Magazine für dieses Kaliber ermöglicht. Der Magazineinfang wird entweder durch die Klappe an der rechten Seite des Magazinschachtes betätigt, oder durch die Taste an der linken Seite. Die Bedienung ist sehr ähnlich, wie bei den Waffen Reihe AR15/M16/M4.

Beim ursprünglichen Sturmgewehr Bren wird der Verschlusseinfang durch eine kleine Taste an der linken Seite des Abzugs bedient. Beim Bren 2 wird der Verschlusseinfang durch einen doppelarmigen Hebel an der linken Seite des Abzugs über dem Verschlusseinfang oder durch den vertikal verschiebbaren Einfang in der vorderen des Abzugsbügels betätigt. Im Unterschied vom ursprünglichen Bren ist es beim Bren 2 möglich, den Einfang aus der Endposition freizulassen, zum Beispiel beim Schießen des Restmagazins - nur durch den Druck auf den Verschlusseinfang. Die Bedienung passt für die Rechts- sowie Linkshänder, das taktische Nachladen wurde wesentlich beschleunigt.

Das ursprüngliche Bren hat einen Umschalter der Schießmodi, betätigt durch Hebel an beiden Seiten des Abzuges, ungefähr in der Ebene der Vorderkante des Handgriffes. Die Hebel sind nicht gegenseitig austauschbar. Der Umschalter hat drei Positionen: gesichert, Einzelschüsse, begrenzte Zweischuss-Salve und Feuerstoß. Entsicherung erfolgt durch Abdrücken des Handgriffes nach unten und nach vorne.

Beim Bren 2 wird der Umschalter der Schießmodi durch kleinere Hebel an beiden Seiten des Abzuges betätig, wieder ungefähr in der Ebene der Vorderkante des Handgriffes. Beide Hebel sind identisch. Der Umschalter hat folgende Positionen: gesichert, Einzelschüsse und Feuerstoss. Modi der begrenzten Zweischuss-Salve wurde als überflüssig nicht mehr verwendet. Entsicherung erfolgt durch Abdrücken des Handgriffes nach unten und nach vorne.

Beide Waffen verfügen über einen Schlaghammermechanismus. Beim ursprünglichen Bren wird der Hammer durch eine spiralförmige Feder angetrieben, beim Bren 2 durch einen Wickelfeder an einer Lenkstange.

Der Pistolengriff (Griffschale) zählt bei beiden Waffen zum Bestandteil der Abzugeinrichtung. Hat einen austauschbaren Rücken und ist hohl. Bren 2 hat den Hohlraum abgedeckt durch die Kappe mit einer Falle, somit entsteht ein kleiner Abstellraum. Der Griff hat eine Gleitschutzoberfläche.

Zerlegung

Die Zerlegung des Bren 2 beginnt (wie bei jeder automatischen oder selbstladenden Waffe) durch das Herausnahmen des Magazins und Kontrolle der Kammer. Aus der rechten Seite wird der Abzug-Demontagebolzen vor dem Magazinschacht herausgezogen und durch die Verkippung nach hinten wird aus der Waffe der Abzug herausgenommen. Durch Drücken der Demontagetaste der Schulterstütze bis zum Anschlag herunter und mit Bewegung unterwärts wird die ganze Schulterstütze abgenommen. Somit wird die Taste an der hinteren Seite des Verschlussgehäuses freigemacht. Jetzt kann man den hinteren Teil des Verschlussgehäuses runterziehen. Zugleich wird auch die Rückfeder samt Führung herausgenommen (ein Teil, weiter nicht zerlegbar). Der Verschluss wird auch herausgenommen. Aus dem Verschlussgehäuse kann man nach dem Herausziehen des Querbolzens im hinteren Teil des Verschlussgehäuses den Zünder mit der Repulsionsfeder und Gewehrverschluss herausnehmen (bei dem ursprünglichen Bren konnte dies nur ein ausgebildeter Waffenmeister erledigen). Wenn es notwendig ist, kann man auch den Spanngriff ganz nach hinten ziehen und aus dem Verschlussgehäuse schieben. Dann ist es möglich, auch die Zugstange des Spanngriffes herauszunehmen. An dem Gasaufsatz wird die Sperrklinke gedruckt und dann wird es mit dem Gasmechanismusrohr ein wenig gedreht so, dass diese Rohr herauszunehmen ist. Nach dem Herausnehmen des Rohrs kann man auch den Kolben und hinter ihm auch die Stange mit ihrer Feder herausnehmen. Somit ist die elementare Zerlegung fertig.

Zwischen der Zerlegung des ursprünglichen Bren und des Bren 2 gibt es nur minimale Unterschiede. Beim Bren 2 ist Folgendes einfacher: Der Zerlegungsbolzen des Abzugs ist nur einer und wir nur herausgezogen. Dieser Bolzen wird aus der Waffe nicht herausgenommen und kann somit nicht verloren gehen. Wenn der Anwender die Zerlegung des ursprünglichen Bren kannte, kann er grundsätzlich auch den Bren 2 zerlegen.

Verschluss

Im Hinblick auf die Rekonstruierung des Gasmechanismus und auf die Änderung der Verschlussspannung musste auch der Verschluss modifiziert werden. Beide Waffen verfügen über einen durch die Rotation des Gewehrverschlusses (sechs abschließbare Zähne) geschlossenen Verschluss. Der Auswerfer ist durch gefederten kleinen Kolben an Stirn des Gewehrverschlusses gebildet. Am Rahmen der Waffe befindet sich der Deflektor der ausgeworfenen Hülsen. Die Bewegung des Gewehrverschlusses wird durch den Bolzen am Körper des Gewehrverschlusses gesteuert. Dieser Bolzen bewegt sich im Träger in einer Kurvenstrecke. Beide Verschlüsse haben einen inerten Zünder - ausgestattet mit einer Fallsicherung in Form eines Einfanges, der erst mit dem fallenden Hammer weggedrückt werden kann. Beim Bren 2 kann man im Rahmen der Zerlegung zwecks Reinigung auch den Zünder herausnehmen.

Das ursprüngliche Bren hat einen nach vorne verzogenen Träger des Gewehrverschlusses so, dass in ihm ein Loch für die Unterbringung des Spanngriffes entsteht. Der Verschluss von Bren 2 ist wesentlich kürzer, jedoch ein bisschen höher. In dem Verschluss des Bren 2 sind Gegenwalzen gelagert. Gehäuse beider Waffen haben ein ähnliches Querprofil, jedoch damit ist alle Ähnlichkeit beim Ende. Das Gehäuse des Bren 2 ist ein bisschen kürzer als das ursprüngliche Gehäuse.

Schulterstütze

Das ursprüngliche Bren hat eine teleskopische Schulterstütze, mit der Backe etwas höher an der Oberlinie. Die Schulterstütze wird in der Richtung zur rechten Seite des Verschlussgehäuses bei gleichzeitigem Herunterdrücken des seitlichen Stützenschnäppers umgeklappt.

Die Schulterstütze des neuen Bren wird optisch viele robuster. Aus praktischer Sicht ist jedoch viel wichtiger, dass die offenen Hohlräume der ursprünglichen Schulterstütze abgeschafft wurden. Somit reduziert sich das Risiko, dass Schlamm und Verunreinigungen durchdringen können. Auch diese Schulterstütze ist kippbar und teleskopisch. Sie wird auch nach rechts umgeklappt und wird in der Stellung arretiert. Die neue Schulterstütze ist etwas kürzer und genauso wie die Schulterstütze des ursprünglichen Bren wird sie durch einen doppelarmigen Hebel bedient.

Mündungsfeuerdämpfer

Der im Hinblick auf die Form einfache, mäßig kegelförmige Mündungsfeuerdämpfer aus Bren wurde beim Bren 2 durch einen dreizahnigen Dämpfer mit einer ziemlich komplizierten Form ersetzt. Der Grund für diese neue Form lag in der Beseitigung der höheren Schallfrequenzen beim Schießen (Stimmgabeleffekt). Und es hat wirklich perfekt geklappt. Ebenso wichtig ist es, dass die Pulvergase aus dem Lauf auf die schrägen Zähne des Mündungsfeuerdampfers fallen, und somit wird der Dämpfer bei jedem Schuss mäßig nachgezogen. Der Dämpfer kann also am Lauf nur mäßig nachgezogen werden und trotzdem kann nicht passieren, dass er runterfällt. Dies gilt auch für die Konfiguration mit dem kürzesten Lauf von 8 ''.

Abschlusswort

Bren 2 ist eine Waffe der neuen Generation. Seine Ergonomie ist im Vergleich mit dem ursprünglichen Bren CZ 805 wesentlich mehr fortgeschritten. Es geht jedoch nicht nur um die Ergonomie, sondern auch um Zuverlässigkeit und Sicherheit der Waffe. Dabei wurde dieser Fortschrift innerhalb einer relativ kurzen Zeit erreicht. Über den besseren Bedienungskomfort und technische Verbesserungen haben wir bereits in dem Einführungsartikel informiert, technische Verbesserungen werden in dieser Vorlage beschrieben.

Zugleich gibt es viele Stimmen, die sagen: Warum konnte die tschechische Armee nicht gleich das Bren 2 bekommen? Es ist eine absolut berechtigte Frage. Und noch dazu: die "Erblichkeit" der Bestandteile zwischen CZ 805 Bren und Bren 2 ist relativ niedrig. Deshalb kann man wahrscheinlich nicht so einfach einen einfachen Konversionssatz erstellen - zwecks Upgrade des CZ 805 Bren auf CZ Bren 2. Wenn wir ehrlich (gegenüber Hersteller sowie Armee) antworten sollen, dann die Antwort ist: Es war nicht möglich. Auch dann nicht, wenn die Armee die sechs Jahre warten könnte.

In der Zeit, als das CZ 805 Bren entwickelt wurde, hatten die Waffenfabrik sowie Armee keine solchen Erfahrungen gehabt, um so eine Waffe wie Bren 2 beauftragen oder anbieten zu können. Viele Parameter des CZ 805 Bren wurden von der Armee direkt nachgefragt. Und die tschechische Armee hatte seit den 60-igen Jahren des 20. Jahrhunderts - also fast 50 Jahre - keine Erfahrungen mit der Beschreibung der Anforderungen betreffend Hauptwaffe eines Infanteristen. Wegen diesen fehlenden Erfahrungen hat vielleicht auch das Waffensystem Lada in 80. und 90. Jahren gescheitert. Nicht eine, sogar gleich zwei Generationen der Waffenmeister sind weggegangen. Ihre Erfahrungen mussten fehlen, die Kontinuität wurde unterbrochen. Inzwischen haben sich sowohl die technischen Möglichkeiten des Herstellers, als auch der Charakter potenzieller Konflikte geändert. Die Entwicklung der Waffe neuer Generation wurde durch die Teilnahme der CZ an einigen Ausschreibungen in den Ländern aller Welt beschleunigt. Die wiederholten Tests und immer mehrere Erfahrungen aus dem Felde haben als ein Entwicklungsbeschleuniger funktioniert. In diesem Zusammenhang kann man die Analogie mit der Entwicklung der Pistolen CZ 75 erwähnen. In diesem Falle war der entscheidende Impuls die Ausschreibung für eine neue Dienstpistole für die tschechische Polizei. Dadurch kam diese berühmte Pistole auf ein ganz neues Qualitätsniveau. Also ganz offen gesagt: Die tschechische Armee hat seiner Zeit ein neues Sturmgewehr gebraucht und unter den damaligen Bedingungen konnte Sie nur CZ Bren 805 erhalten. Ohne dieses Sturmgewehr (und damals war es eindeutig ein großer Qualitätssprung) könnte sich die CZ um keine weiteren Aufträge bewerben. Das ursprüngliche Bren hat sich immer wieder bewährt und ohne dieses Feedback wäre kein Weg zum Bren 2 offen. Ohne CZ 805 Bren ist das Bren 2 nicht denkbar. Ohne diese geschlossene Kette könnten wir nie zum heutigen Ergebnis kommen. Es ist keine Entschuldigung oder Suche nach einem Schuldner, sonder eine reine Logik. Mit diesem Wissen können wir der tschechischen Armee gratulieren. Sie hat Vernunft und Mut gezeigt und seiner Zeit das CZ 805 Bren gewählt. Sie hat somit ihre Kampfstärke sowie die Fähigkeiten der inländischen Industrie verbessert. Aus diesen beiden Themen werden wir alle profitieren.

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